FINE – ein Ende

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Wie im Rausch fährt der Musiker mit dem Bogen über sein kleines Instrument. Im wogenden Meer der Töne hat er längst die Kontrolle abgegeben und gibt sich einzig dem tosendem Klang der Noten hin. Ein letztes Aufbäumen, ein großes Rauschen, eine Flut aus Gänsehaut, ein tiefer Atemzug – Stille. Der wilde Blick ist auf die bebende Spitze des Taktstockes gerichtet, der Bogen verharrt fest in der Hand des Musikers, kein Ton ist zu hören. Ein kleiner Tropfen Schweiß löst sich an seiner Schläfe und rinnt ihm die Wange herunter, der Taktstock sinkt und augenblicklich ergießt sich tosender Applaus  über das Orchester. Alle Spannung weicht aus den Körpern, zaghaft breitet sich ein Lächeln auf dem Gesicht des Musikers aus, ein Gefühl der Glückseligkeit durchströmt ihn.  Er erhebt sich von seinem Platz und verneigt sich. Er reckt sein Kinn in die Höhe, nie zuvor hat er sich so stark und erfüllt gefühlt, als könnte ihn nichts mehr erschüttern, als könnte er jetzt in diesem Moment alles schaffen. Lachend und scherzend verlässt er mit seinen Kollegen die Bühne. Sie feiern, sie freuen sich, einige klopfen dem Musiker anerkennend auf die Schulter. Sein erstes Konzert. Die anfängliche Angst ist dem Gefühl des Stolzes gewichen, jetzt gehört auch er dazu, ganz selbstverständlich, so als wäre es nie anders gewesen. Er klappt seinen Geigenkoffer zu, die Kollegen verabschieden sich auf die nächste Woche, auf das nächste Konzert. Die Umkleide leert sich bis nur noch der junge Musiker übrig bleibt. Auf dem Weg zum Ausgang bleibt er an der verschlossenen Konzertsaaltür stehen. Vorsichtig drückt er die Klinke hinunter und setzt einen Schritt über die Türschwelle. Vorhin noch wären ihm beinahe die Knie eingeknickt als er den Schritt auf die Bühne machte. Jetzt ist alles still und dunkel. Auf einmal ist da wieder der Zweifel, kann ich das wirklich, werde ich immer Angst haben vor einem Konzert, wird dieses erfüllende Glücksgefühl irgendwann nicht mehr auftauchen? Er schüttelt den Kopf, vertreibt den Gedanken und geht schnellen Schrittes zum Ausgang. Während er in die kühle Nacht hinaus tritt lächelt er. Er wird das jetzt genießen, nicht das morgen!

Heute ist es soweit, der letzte FSJ Tag, der letzte concertino-Beitrag!
Knapp ein Jahr ist nun vergangen, ein Jahr in dem ich viel erlebt und gelernt habe, durch Höhen und Tiefen gegangen bin – ein wahrer Selbstfindungstrip! Ich habe mir Ziele gesteckt, bin an Ihnen gescheitert, weitergekommen und gewachsen. Ich hatte die Möglichkeit mit tollen Menschen zusammenzuarbeiten, Unmengen Konzerte zu besuchen, bekannte Musiker zu treffen und zu erleben, was Arbeitsalltag wirklich bedeutet. Die Wertschätzung und Annerkennung die ich erfahren habe, hat mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben und mich für den nächsten Schritt in Richtung erwachsen werden stark gemacht. Aber was hat es mit diesem Erwachsen werden auf sich? Vor Beginn und noch während meines FSJ Kultur war ich mir sicher für meine Zukunft alles akribisch planen zu müssen. Was würde mir später blühen, ohne die richtige Ausbildung, ein umfassendes Wissen, richtige Investitionen? Der Blick in die Arbeitswelt ließ mein Bild wanken. Ein Musikstudium damals, eine Pressestelle heute, kein Studium, jetzt ein gefragter Künstler. Langsam dämmerte mir, dass egal WAS ich studieren würde, mein Leben früher oder später seine eigenen Wege einschlagen würde, ohne, dass ich es planen kann. So kam es, dass ich mich, hingegen Wiederstand und Vernunft, für den Zukunftsschritt entschieden habe, der all meine Herzenswünsche erfüllt.

Was kommt jetzt?
Ich werde Journalismus studieren und komme damit dem Wunschberuf einen großen Schritt näher, der mich schon im zarten Alter von zehn Jahren sehr beeindruckt hat (ich wollte unbedingt Nachrichtensprecherin werden!) und den ich zwischenzeitlich einfach verdrängt und unterdrückt habe. Das FSJ und concertino haben die Leidenschaft fürs schreiben, dichten, denken, kreieren und berichten entfacht und es gibt kaum etwas anderes, in das ich in der nächsten Zeit so viel Herzblut stecken möchte. Das Blog hat mir genau die richtige Dosis Input, Selbstvertrauen und Mut geschenkt, welche ich für diesen Schritt gebraucht habe!
Wo geht es hin?
Ich habe mich dazu entschlossen München und dem Rest von Deutschland den Rücken zu kehren und mich künftig lieber mit der Queen zur Tea-time zu verabreden. Studieren werde ich in Brighton und mit dem Umzug nach England erfülle ich mir einer meiner großen Träume!

Jetzt also ein Abschied und Anfang zugleich und die Erkenntnis, dass man im Leben immer wieder an den Punkt stoßen wird, an welchem man von vorne beginnen muss. Aber besteht nicht genau darin der Reiz, sich immer wieder selbst herauszufordern und die Möglichkeit zu haben etwas zu ändern?
Mit einem weinenden und einem lachenden Auge verlasse ich die Hochschule und bedanke mich bei all meinen lieben Kolleginnen und Kollegen. In bester Erinnerung werden mir auch die Seminare mit den tollen Leiterinnen und Mit-FSJlern bleiben! Ich glaube ich spreche nicht für mich alleine, wenn ich sage, dass die Bildungstage und Seminare einem unglaublich viel Spaß, Unterstützung, Lebensfreude und kreativen Fluss geben!
Nicht unerwähnt möchte ich Euch Leser lassen, denn ihr habt es ermöglicht, dass concertino zu einem wunderschönen Blog und Projekt herangereift ist – Danke!

Mein Projekt, concertino, findet mit diesem Beitrag seinen Abschluss, somit wird es leider keine weiteren Beiträge auf diesem Blog geben. Allerdings wird concertino jedem Leser frei zugänglich bleiben, sodass man in Ruhe stöbern, lesen und sich informieren kann! Und wer weiß, vielleicht folgt ja bald das nächste Blog über all die Kuriositäten die mich auf der Insel erwarten – ihr werdet informiert!

Abschied

Auf in den nächsten Schritt von vielen und auf ein Wiedersehen und -lesen!

DANKE für ein grandioses Konzert,
Theresa

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2 Kommentare zu “FINE – ein Ende

  1. Liebe Theresa,

    mit großem Interesse haben wir von der BKJ deinen Blog verfolgt und freuen uns sehr über solch ein gelungenes Projekt, an dem wir auch aus der Ferne teilhaben können. Alles Gute nun für dich in Brighton!
    Gerne kannst du uns mal wissen lassen, was du dort so treibst. Wir sind immer interessiert, was mit den Alumni des FSJ Kultur passiert.

    Viele Grüße von Johanna und der BKJ in Berlin.

    • Vielen lieben Dank! Es freut mich sehr, dass mein Projekt so einen Anklang gefunden hat und gerne werde ich über die spannende Zeit berichten, die mir nun bevorsteht!:)

      Viele liebe Grüße,
      Theresa

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