„I FEEL PRETTY“

Zu meinem Geburtstag im letzten Jahr, bekam ich von meinen Kolleginnen ein sehr aufmerksames und großzügiges Geschenk.
Was hätte ein passenderes Geschenk sein können, als ein Gutschein für München Ticket – die freie Auswahl an einer ganzen Menge Konzerte- herrlich! Da ich schon seit längerem mal wieder ein Musical besuchen wollte und das Deutsche Theater gerade neu eröffnet hatte, entschied ich mich für „West Side Story“!

"West Side Story" im Deutschen Theater

„West Side Story“ im Deutschen Theater

Das Musical von Leonard Bernstein ist eine Adaption von Shakespeares Tragödie „Romeo und Julia“. In den New Yorker Straßen um 1950 herrscht ein erbitterter Bandenkrieg zwischen den puerto-ricanisch stämmigen Sharks und den Us-amerikanischen Jets. Um die Rivalität der beiden Gangs endgültig zu klären, will Jet-Anführer Riff einen Kampf mit den Sharks austragen. Riff sucht Unterstützung bei dem ehemaligen Anführer Tony, der nur widerwillig seine Hilfe zusagt. In einer Disco treffen die beiden Gangs aufeinander und Riff fordert Shark-Anfüher Bernando zum klärenden Kampf auf. Währenddessen erblickt  Tony Maria, die Schwester Bernandos, und verliebt sich augenblicklich und unsterblich in sie. Maria, erst kürzlich aus Puerto Rico nach New York gekommen, teilt die Gefühle mit Tony, ist jedoch bereits Bernandos Freund Chino versprochen. Als Bernando die Zärtlichkeiten der beiden Verliebten mitbekommt, spitzt sich die Situation zu. Man plant den Kampf für den nächsten Abend unter einer Autobahnbrücke.Weil Maria Angst um das Leben ihres Bruders und Tonys hat, versucht Tony im letzten Moment einen Krieg zu verhindern. Den Kampf kann er jedoch nicht aufhalten, ihm fallen Riff und Bernado, Bernardo tödlich verletzt durch Tonys Messer, zum Opfer. Chino überbringt Maria die tragische Nachricht von Bernardos Tod. Maria ist am Boden zerstört, doch Tony kann Sie davon überzeugen, dass er nicht mutwillig gehandelt hat. Kurz danach beauftragt Maria ihre Freundin Anita zu Tony zu gehen, um ein heimliches Treffen mit ihm zu vereinbaren. Auf dem Weg zu Tony trifft Anita auf die Jets, die versuchen Sie zu vergewaltigen. Voller Verzweiflung und Wut erzählt Anita, Chino hätte Maria aus Eifersucht umgebracht. Tony, der seinem Glück bis dahin nie näher schien, bricht zusammen und beschließt Chino aufzusuchen und ihn umzubringen. Bevor er jedoch auf Chino trifft, läuft ihm Maria in die Arme. Wiedervereint und überglücklich küssen sich die beiden. Chino jedoch erblickt das Liebespaar und erschießt Tony aus Eifersucht. Tony stirbt in den Armen der verzweifelten Maria.

Normalerweise würde ich bei so einer Vorstellung auf einem günstigen Zuhörerplatz sitzen und heimlich meine Wasserflasche in der Handtasche einschmuggeln. Dieser Abend aber sollte besonders werden, schließlich war es ja mein Geburtstagsgeschenk. Fein rausgeputzt nahm ich somit auf dem BALKON meinen Platz ein und statt Wasser floss diesmal Sekt, ganz legal an der Bar- man gönnt sich ja sonst nichts! Der Blick auf die Bühne war ausladend und ich lehnte mich, entspannter denn je, in den dunkelroten und sehr bequemen Stuhl zurück, um die Vorstellung zu genießen.

Der Vorhang ging auf, die Sharks und Jets betraten die Bühne und sogleich entstand ein wilder Kampf aus Tänzern. Fast schon ein wenig zu anmutig sprangen die typisch 50er Jahre gekleideten, jungen Männer übereinander hinweg, rollten galant zur Seite und imponierten durch anmutende Grand Jetés. Ein Bühnenbild aus den typischen New Yorker Häuserfassaden wurde errichtet und der amerikanische Slang und die perfekt gegelten Haarlocken versetztem einem augenblicklich dieses amerikanische „New-York“ Gefühl. „America“, „Tonight“, „Maria“ – die wunderschönen Stücke von Leonard Bernstein verursachten Gänsehaut, Ohrwürmer und Lust an mitsingen.
Die Choreographien, welche original von der Uraufführung übernommen wurden, gefielen mir noch ein klein wenig besser als die Gesänge. Die bunten, wechselnden Kleider, der latinische Tanzstil der Puerto Ricaner, die anmutigen Ballettelemente und kunstvollen akrobatischen Sprünge- beeindruckend! Stücke wie „I feel pretty“ sorgten für eine ausgelassene Stimmung und beschwingt nahm ich nach der Pause wieder meinen Platz ein. Hatte das Stück laut, wild und schnell begonnen, überrumpelte es mich durch das abrupte, tragische und stille Ende. Da lag Tony, sterbend in den Armen seiner Maria. Die Tänzer gingen mit gesenkten Häuptern von der Bühne. Es war still, zu still und untypisch für das Ende eines Musicals. Was blieb war ein bitterer Nachgeschmack, irgendwie möchte man nicht, dass eine schillernde, farbenfrohe Vorstellung so endet.

Doch der Vorhang öffnete sich erneut und die Tänzer, Schauspieler und Sänger wurden mit tosendem Applaus überschüttet, es war die letzte Aufführung einer einjährigen Tournee. Die Gesichter der Darsteller strahlten, man sah kleine Tränen kullern, ein Tänzer fiel einem anderen weinend in die Arme. Mit Abstand war dies der schönste Moment des ganzen Abends. Der emotionale Abschluss versöhnte mich somit mit dem tragischen Ende der Geschichte.

Auf dem Weg zur U-bahn schwang ich tänzelnd meinen Regenschirm und summte „I feel pretty“, ja, so fühlte ich mich, beschwingt und glücklich!

Meinen Kolleginnen möchte ich von ganzem Herzen für einen wunderschönen Abend danken, ein perfektes Geburtstagsgeschenk!

Alles liebe,

Theresa

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