Einmal HEAVY METALLER sein

„Ob Klassik, Jazz oder Pop, ich habe keine bevorzugte Musikrichtung und versuche für alles offen zu sein (lediglich mit Metal kann ich mich leider  wirklich nicht anfreunden).“ („concertino“, „Über Mich“, Z. 3-4)

Meine eigenen Worte schossen mir in den Kopf, als ich johlend und hüpfend auf dem Königsplatz  meine Hände zu dem wummerden Bass in die Luft schmuss. Da stand ich, ICH, zwischen 25 000 schwarz gekleideten, langhaarigen, tattoowierten Metalern und brüllte mit der Menge und Ozzy Osbourne mit!

BLACK SABBATH  am Königsplatz

BLACK SABBATH am Königsplatz

Theresa auf einem Heavy Metal Konzert schien mir bis dato so unpassend wie Iron Maiden oder Metallica in einer Ballettaufführung von Schwanensee. Ein Blick auf meine Kleidung, und die Diskrepanz zwischen mir und dem Rest der Veranstaltung wurde offensichtlich: Das Oberteil zu weiß, der Schmuck zu feminin, die Tasche zu bunt. Alles in allem passte ich wohl eher noch auf ein Woodstock Festival, lediglich meine zerissenen Jeans lies mich nicht ganz aus der Reihe tanzen.

Bereits Tage zuvor hatten die Aufbauarbeiten am Königsplatz begonnen. Nach einem Blick auf die Vorankündigung, verlor ich jedoch jegliches Interesse an den rießigen Metallgestellen und Boxen. BLACK SABBATH, das wollte ich mir nun wirklich nicht antun! Und wie das so ist, wenn man sich etwas vorgenommen hat, saß ich am Freitag Nachmittag an meinem Schreibttisch und starrte auf die vor mir liegende Konzertkarte, auf der dick und fett  BLACK SABBATH stand. Nachdem meine Kollegin zuvor mit zwei Freikarten, einem breiten Grinsen und guten Überredungskünsten in mein Büro kam, ließ ich mich breit schlagen. Im Internet wurden die Karten für schlappe 77.90 € angepriesen und ich hielt missmutig einer dieser Karten in den Händen, für welche so manch ein Heavy Metal Fan wahrscheinlich Mord begehen würde. Ganz schön undankbar!

Aufbauarbeiten

Aufbauarbeiten

Ziemlich skeptisch machte ich mich also Freitag Abends auf den Weg und traf bereits am Hauptbahnhof auf die ersten Ozzy Anhänger. Am Königsplatz angekommen, bahnten sich meine Kollegin und ich einen Weg durcht die schwarze Menge. Im Hintergrund lief  die Musik der Vorband „Soundgarden“, deren Namen ich zu diesem Zeitpunkt peinlicherweise schon wieder vergessen hatte. Im Licht der untergehenden Sonne lies ich meinen Blick über den Königsplatz schweifen. Den meisten BLACK SABBATH Anhängern war ihre Vorliebe für Metal-Klänge deutlich anzusehen. Zu meiner Überraschung mischten sich jedoch recht viele durchschnittlich bis spießig gekleidete Menschen unter die Zuschauermenge. So zum Beispiel ein Herr mittleren Alters, augenscheinlich kam er direkt von seinem äußerst seriösen Job in der Bank, unter dessen hochgekrempeltem Hemdärmel, sich bunte Tattos einen Weg in die Freiheit bahnten! Frauen in bunten Sommerkleidern und High Heels (warum zwängt man sich in 15 cm Hacken um dann auf einer Wiese rumzustacksen?), Männer mit Outdoorsandalen und ordentlich gebügeten Hemdkrägen, da passte ich ja noch besser in das Gesamtbild!

SOUNDGARDEN lies die letzten Töne erklingen, es wurde ab, -um und aufgebaut und nach gefühlten dreißig Minuten am Bierstand war es  endlich soweit und die Meister betraten die Bühne. Irgendwie hatte ich mir den Auftritt dunkler, autemberaubender und pompöser vorgestellt. Einfach ein bisschen mehr Heavy Metal eben.  Alles was Herr Osbourne dazu zu sagen hatte: „Hi I’m John and I’m an alcoholic.“
Ob das nun ein Scherz oder die Wahrheit war, sei mal in den Raum gestellt. So wie Ozzy über die Bühne torkelte, tippte ich jedoch auf letzteres und bevor er etwas weiteres sagen konnte stimmten Bassist Geeze Butler, Gittarist Tony Iommi und Drummer Tommy Clufetos die ersten Töne an.  Zu meiner eigenen Überraschung musste ich feststellen, dass mir die Musik ziemlich gut gefiel! Während des ersten Songss wippte ich sicherheitshalber nur mit den Füßen mit. Nach dem zweiten Song wuchs mein Selbtsvertrauen zunehmend und nachdem ich mir die typische Kopfbewegung der anderen abgeschaut hatte, versuchte ich mich auch an dieser, doch eher ungewohnten Bewegung. So wirklich überzeugend und richtig fühlte  sich das monotone Kopfwippenn jedoch nicht an. Irgendwie musste das lockerer aussehen, zuviel Hüfte, viel zu viel Knie oder waren es doch die Schultern? Die Bewegungskünste der Heavy Metal Fans werden eindeutig unterschätzt! Irgendwann hatte ich die Schnauze voll und nachdem sich mit jedem Song die Stimmung und die Lautstärke steigerte, ließ ich mich einfach vom Strom mitreisen. Spätestens bei „Paranoide“ fielen die letzten Hemmungen und ich gröhlte, auf und ab hüpfend mit den Armen in der Luft, lauthals mit (ohne Text versteht sich, so wie Ozzy nuschelte fiel das aber sowieso nicht ins Gewicht). Im Gegensatz zu der Dame vor uns, verhielten wir uns jedoch sehr gesittet. Diese wollte mit dem Headbanging  garnicht mehr aufhören und schlug  mit ihrer wallenden Haarpracht regelmäßig um sich.

Nachdem Butler und Iommi zwei wirklich fantastische Soli hingelegt hatten, zog der jüngste im Bunde,  Tommy Clufetos, mit einem zehnminütigen Drum solo nach, welches mich volkommen ausflippen lies. So etwas ungalubliches und fantastisches hatte ich wirklich noch nie gehört und dann noch live! Mit nacktem Oberkörper, schulterlanger Zottelmähne und Bart, erinnerte Clufetos an ein tattoowiertes Jesus-Genie am Schlagzeug. Scheinbar mühelos lies er die Sticks in einer atemberaubenden Geschwindigkeiten über die Drums fliegen, und kurzzeitig schien es fast so, als gäbe es an diesem Abend nur Clufetos und sein Schlagzeug. Die Menge dankte es dem heimlichen Star mit einem tosenden Applaus und auch ich erlag seinem Können (eine gewisse äußerliche Anziehungskraft kann ich zudem nicht leugnen)! Nach diesem Solo war der Höhenpunkt des Abends erreicht, meine Stimmbänder an ihrem Limit und meine Ohren ein einziger rauschender Wattebausch!BLACK SABBATH BLACK SABBATH BLACK SABBATH BLACK SABBATH BLACK SABBATH

Obwohl ich grundsätzlich mit Heavy-Metal eher wenig anfangen kann, hatte ich einen genialen Abend und sehr viel Spaß! Schwarze Klänge zwischen den beleuchteten historischen Monumenten des Königplatzes, eine atemberaubende Kulisse. Heavy Metal live zu hören war eine ganz neue Erfahrung und ich könnte mich glatt daran gewöhnen! Manchmal macht es eben einfach nur Spaß zu headbangen, johlen und hüpfen! Warum Heavy Metaller so eine eingefleischte Manschaft sind, konnte ich an diesem Abend ebenfalls miterleben, egal wie groß, dick, dünn, gut oder schlecht aussehend, hier sind alle einfach nur eins: HEAVY METALLER.

Und was lässt sich zu Ozzy sagen? Vom Akohol, den Drogen und dem Alter gezeichnet, immer noch auf der Bühne stehen und den Königsplatz rocken (auch wenn leider nur die Hälfte der Töne gestimmt hat)?
Ozzy you’re a legend!

Theresa

 

 

 

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