Gastspiel #4: Laura berichtet

Mit wallendem Haar steht Prinzessin Laura im Schein des rotgoldenen Sonnenuntergangs am Turmfenster, den Blick fest auf den stattlichen Prinzen gerichtet, der am Rande des Horizonts auf seinem weißen Schimmel in Richtung Burg galoppiert kommt – HACH! Beim Anblick des Burgturms des Max-Rill-Gymnasiums in Reichersbeuern, hat sich Laura sogleich wie eine Prinzessin gefühlt. Wer jetzt denkt, dass sich Laura von morgens bis abends ganz prinzessinnenhaft nur bedienen lässt, papperlapapp, liegt falsch! Rund um die Uhr ist Laura in Ihrer Einsatzstelle auf Achse und so wird aus Rapunzel schnell mal die Prinzessin auf der Erbse. Ein aufregender Tag aus dem Leben einer FSJ-Prinzessin, lest selbst!

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Einmal Prinzessin sein…

Diesen Gedanken hatte ich als ich das Max-Rill-Gymnasium auf der Liste der Einsatzstellen für ein FSJ Kultur entdeckt habe. Leider wird mir die Illusion jeden Tag aufs Neue genommen, wenn ich meinen Kopf aus dem Turmfenster meines Büros strecke, da mein Haar nicht einmal das Fensterbrett erreicht.

Gastspiel Laura

Im Zweiten Fenster von Oben im Turm befindet sich mein Büro.

Stattdessen erreichen mich am frühen Morgen direkt einige E-mails mit den Aufgaben für den Tag.   Zu aller erst werden also Aushänge zu Veranstaltungen oder Geburtstagen am schwarzen Brett angeschlagen und in den Schaukasten in der Küche ausgehängt. Für das Internat, welches das Schloss in Reichersbeuern neben dem Gymnasium beherbergt, ist am Abend ein Bingo-Abend geplant. Somit führt mich mein nächster Weg zur Schatzkammer und deren Verwalterinnen, um dort genügend Golddukaten für den Einkauf der Siegertrophäen zu erbitten.

Auf meinem Weg zur blauen Pferdekutsche „Transit“ von Ford begegne ich der Sekretärin des Gymnasiums auf dem Gang und bekomme eine gelbe Kiste voller Briefe unter den Arm geklemmt, welche zum Postamt nach Tölz gebracht werden müssen. Von Prinzessin zu berittenem Bote, Karrieresprung mal etwas anders.

Nach gefühlten hundert Jahren beim Postamt, in den Kassenschlangen von Kaufland, Tengel-, Rossmann und KiK und im Berufsverkehrstau aus Tölz, erreiche ich das sehnlichst erwartete Schloss und schleife mich und die Einkäufe mit letzter Kraft ins Sekretariat. Ich lasse mich auf den Stuhl hinter dem Schreibtisch meiner Kollegin, welche es nun zu vertreten gilt, plumpsen und strecke alle Viere von mir.  Leider hält dieser Moment der absoluten Entspannung nur eine halbe Sekunde, da mich das Klingeln des Telefons aus meinem Sekundenschlaf reißt.

Die nächsten drei Stunden werden immer im Wechsel zwischen kopieren, zusammenheften, faxen, telefonieren, E-mails beantworten und Geschenke einpacken verbracht, bis die Turmuhr 13:00Uhr schlägt und meine Kollegin eintrudelt um mich im Telefondienst abzulösen.

Im Schritttempo wird also durch die Gänge Richtung Speisesaal geschlichen, wo 140 hungrigen Schülerinnen und Schülern mit Tomatensuppe, Salaten, Milchreis und Gebäckschnecken der Magen gefüllt wird.
Im Anschluss an das Mittagessen übernehme ich die Aufsicht im Schüler-Café und betrachte mit ironischen Gedanken die Schülerinnen und Schüler, die sich mit gierigen Blicken wie die Geier über Riesenschlümpfe, Gummibären oder Maxi-King hermachen.

Gastspiel Laura

Ein Teil des Bühnenbildes fürs Theaterstück.

Gastspiel Laura

Wenn keiner schaut sind auch wir nicht immer nur ernst.

Um 14:30 Uhr führt mich mein Weg in die Schlosswerkstatt um zusammen mit meiner Regie-Kollegin des Schultheaters die Bühnenbilder für das von ihr geschriebene und produzierte Theaterstück „Hondura“ zu gestalten.
Da ich als Kulturelle FSJ-Boten-Prinzessin auch für die musischen Schülerinnen und Schüler verantwortlich bin, habe ich ab 16:00 Uhr zusätzlich die Aufgabe, zu kontrollieren, dass sich die Kinder an ihre „Übezeiten“ halten. Also wird ab 16:00Uhr zwischen Malerwerkstatt und Übungsräumen hin und her gerast und die Anwesenheit und der Stand der Schülerinnen und Schüler kontrolliert.

Die Uhr schlägt 18:30 Uhr und erschrocken stellen wir fest wie die Zeit gerast ist. Wenn wir zusammen kreativ sind, vergeht die Zeit immer tausendmal so schnell und wir wundern uns wo sie hin ist, die gute Freundin Zeit. Wir räumen die Werkstatt auf und gehen zum Abendessen.
Direkt danach startet der Bingo-Abend und um 21:00 Uhr habe auch ich endlich Feierabend und falle totmüde in meinen Gemächern in mein Bett.

Wenn es im Winter nach dem Abendessen dämmert oder früh morgens die Sonne aufgeht, fühlt man sich dann doch irgendwie wie eine Prinzessin, denn der Blick aus den Schlossfenstern ist immer atemberaubend. Ich bin wirklich froh an einem Internat mein FSJ zu machen, denn auch wenn man tagsüber aufgrund diverser Erledigungen eher weniger Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern hat, ist das riesige Team an Kollegen und Kolleginnen wahnsinnig herzlich, abends entsteht dann der Kontakt mit Schülerinnen und Schülern und es herrscht eine so familiäre Atmosphäre wie sonst fast nirgends bei so vielen Leuten. Wenn das Jahr vorbei ist werde ich garantiert sehr oft zurückdenken.

Gastspiel LauraGastspiel LauraGastspiel Laura

 

 

 

 

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