Gastspiel#3: Marina berichtet

Voller Freude darf ich euch heute das dritte concertino-Gastspiel präsentieren!
Marina arbeitet in der Stadtbibliothek Rosenheim und hat hier ein ganz besonderes Projekt auf die Beine gestellt.
Ein Thema rund um Lesen, Schreiben und Fantasie – einfach wunderbar!
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Projekt? – Erledigt!

Das eigenverantwortliche Projekt, das man während seines FSJ Kultur durchführen soll, erscheint ein bisschen wie ein Berggipfel. Manchmal bedrohlich vor einem emporragend, manchmal strahlendMarinas Projekt im Sonnenlicht, manchmal komplett von Wolken verdeckt und dabei doch leise und einladend flüsternd. Doch egal, ob der Gipfel immer zu sehen ist und egal, ob Überforderung, Orientierungslosigkeit und Müdigkeit den Weg nach oben erschweren – Ziel eines jeden FSJlers ist es, während seiner zwölf Monate in der Einsatzstelle den Berggipfel zu erreichen. Seit knapp zwei Wochen stehe ich oben und schaue mit einem lachenden und einem weinenden Auge nach unten. Wie mein Weg zum Berggipfel „Projekt“ war, davon möchte ich euch gerne berichten.

Ich absolviere mein FSJ in einer Bibliothek, der Stadtbibliothek Rosenheim. Zusätzlich zu meinen Routineaufgaben war ich in den letzten drei Monaten intensiv mit der Organisation und Durchführung meines Projektes beschäftigt, was mir viele Überstunden, aber vor allem jede Menge Spaß bereitete.

Die Idee, eine Schreibwerkstatt mit anschließender Lesebühne zu veranstalten, hatte sich schon nach wenigen Wochen in meinem Kopf eingenistet. Der Grundgedanke dahinter war und ist, schreibbegeisterten Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, ihre Schreibfähigkeiten zu erweitern, Tipps von Profis zu erhalten, sich untereinander auszutauschen und ihre Texte öffentlich vor Publikum vorzutragen.

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Ein riesiger Glückstreffer war hierbei Arwed Vogel. Über eine Kollegin stieß ich auf den Münchner Volkshochschullehrer und Autor, der des Öfteren kreative Schreibprojekte mit Schulklassen durchführt. Ich erzählte ihm von meiner Idee und er war sofort bereit dazu, die Schreibwerkstatt in unserer Bibliothek zu leiten.

Was jetzt noch fehlte, waren die Teilnehmer. Ich hatte mich bereits darauf eingestellt, dass es wohl nicht so einfach werden würde, viele Interessenten zu finden und rechnete trotz umfangreicher Bewerbung des Projekts in allen weiterführenden Schulen im Umkreis, mit höchstens 10 bis 15 Anmeldungen. Umso überraschter war ich, als die Anmeldungen nur so dahergeflogen kamen. Letztendlich konnte ich 25 Jugendlichen zusagen und musste für zehn weitere Interessenten sogar eine Warteliste anlegen, da effektives Arbeiten in einer Schreibwerkstatt bei einer zu großen Gruppe einfach nicht mehr möglich ist.

In den letzten Tagen vor Beginn des ersten Treffens hatte ich dann noch verschiedene kleinere Aufgaben zu erledigen: Namensschilder und Teilnehmerlisten ausdrucken, Leckereien für Pausen während der Schreibwerkstatt besorgen, eine sinnvolle Anordnung der Tische und Stühle für die Veranstaltung überlegen…

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Schreibwerkstatt

Und dann war es soweit. Nach einer kurzen Begrüßung meinerseits war ich froh, das Wort an Herrn Vogel abgeben zu können, der die Schreibwerkstatt souverän und gut durchdacht leitete. An zwei Samstagnachmittagen besprach er mit den Teilnehmern den Grobaufbau einer Handlung, spannende Einstiege, die authentische Gestaltung von Protagonisten und Dialogen sowie die Überwindung von Schreibblockaden. Dies alles geschah stets im Gedankenaustausch mit den Teilnehmern und war immer wieder verbunden mit kreativen Schreibübungen. Auch mitgebrachte Texte der Jugendlichen wurden besprochen, sodass die jungen Autoren ein hilfreiches Feedback und wertvolle Tipps von Herrn Vogel und den anderen Teilnehmern erhielten und in ihrer Leidenschaft zum Schreiben bestätigt wurden.

Am Ende der beiden Samstagnachmittage voller Stifte, Worte und Kreativität, machte ich die Werkstattteilnehmer auf die geplante Lesebühne aufmerksam. Wer Zeit und Lust habe, könne im Rahmen einer Abendveranstaltung einen seiner Texte ohne Konkurrenzdruck vor Publikum vortragen. Neun der anwesenden Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 18 Jahren konnte ich dazu begeistern und so hatte ich schnell meine Vorleser beisammen.

Zwischen Schreibwerkstatt und Lesebühne waren sechs Wochen Zeit. Nach einer Woche wohlverdientem Erholungsurlaub, ging es daher gleich mit den Planungen für die Lesebühne weiter. Eine passende Band zu finden, stellte sich hierbei als nicht ganz so einfach heraus. Trotz anfänglicher Skepsis bezüglich ihres Musikstils in Kombination mit den Texten der Jugendlichen, engagierte ich schließlich Herrin Schmidt, eine Coverband im Bereich Rock und Hard Rock aus der Rosenheimer Region. Ein weiteres Problem bereitete die Suche nach Sponsorengeschenken. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, jedem Teilnehmer am Ende des Abends eine Kleinigkeit zu schenken. Und so begann ich zu telefonieren. Und E-Mails zu schreiben. Und noch mehr zu telefonieren. Buchhandlungen, Cafés, Kinos, Schwimmbäder. Der Aufwand war groß, doch das Ergebnis ließ sich sehen: Jeder Teilnehmer würde nach seinem Auftritt ein Buch und einen Gutschein bekommen.

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Lesebühne – Begrüßung durch den Moderator

Am Abend der Veranstaltung war ich sehr aufgeregt. Würden auch wirklich alle Vorleser da sein? Würden genug Zuschauer kommen? Würde die Band zur Grundstimmung des Abends passen? Doch all meine Sorgen waren unbegründet. Fast 60 Zuschauer waren da, gespannt auf die Texte der Vorleser. Und die Texte waren wirklich gut! Von Fantasygeschichten mit Zauberern und Elfen über Erzählungen, die versuchten, die Frage nach dem Umgang mit Leid oder nach dem Sinn des Lebens zu beantworten, bis hin zu skurrilen Begegnungen mit Kaiser Franz Joseph oder verspäteten Zügen waren alle Arten von Texten vertreten. Auch die Band fand großen Anklang beim Publikum (und auch bei mir!) und schuf einen angenehmen Kontrast zum Gelesenen.

Alles in allem war der Abend also ein voller Erfolg – für die Band, für die Stadtbibliothek, für mich, vor allem aber für die Vorleser. Eine Teilnehmerin kam am Ende der Veranstaltung überglücklich zu mir und bedankte sich dafür, dass sie mitmachen durfte. Sie habe so viel gelernt und sei jetzt mehr denn je davon überzeugt, Schriftstellerin zu werden. Ich muss zugeben, dass mich das schon ein bisschen stolz machte.

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Lesebühne – Geschenkevergabe

So, nun ist also mein Projekt beendet. Schreibwerkstatt und Lesebühne werden zwar schon im kommenden Herbst fortgesetzt, was mich sehr freut, doch darum kümmert sich dann eine Kollegin. Mal schauen, vielleicht werde ich als Teilnehmerin mit dabei sein. Trotzdem bleiben noch über vier Monate FSJ übrig. Doch auch die werde ich sinnvoll zu nutzen wissen. So werde ich den Bestand unserer Bibliothek einmal komplett durchlesen (oder es zumindest versuchen – es gibt ja so viele tolle Bücher!) und ich werde mehr schreiben, was mir immer wieder große Freude bereitet. Dieser Artikel bildet den Anfang…

Marina

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