Gastspiel#2: Christoph berichtet

Heute berichtet uns Christoph!
Christoph wollte neben seinen Erfahrungen im FSJ Kultur auch einen Einblick in andere Berufssparten erhalten.
So kam er zu einem Praktikum bei einer Baufirma für Metallblasinstrumente.
In seiner Praktikumswoche konnte Christoph tolle Erfahrungen sammeln und hat dies mit Bild und Text für uns festgehalten!

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Meine Entscheidung nach dem Abi ein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur zu machen, war nicht nur davon geprägt, dass ich schlicht und ergreifend keine Ahnung hatte was ich tun sollte, sondern auch von der Bedenkzeit welche mir das Jahr versprach.
So kam ich zu meiner Einsatzstelle Stadtteilkultur 2411 e.V.  in München. Hier kümmere ich mich hauptsächlich um Künstlerengagements sowie Licht- und Tontechnik für Konzerte.

Da ich mich noch anderweitig nach Möglichkeiten für die Zeit nach meinem FSJ umschauen wollte, raffte ich mich nach einigen Wochen der Einarbeitungszeit auf, um ein wenig zu recherchieren. Gegen alles was ich mir in meinem Kopf ausgemalt hatte, gab es –  aus meiner latenten Faulheit heraus –  gute Argumente.  Studieren erinnerte mich noch ein bisschen zu sehr an die Schule, also sah ich mich besser in einer Ausbildung untergebracht als im Hörsaal einer Universität. Da ich selbst schon seit 11 Jahren Trompete spiele und immer wieder fasziniert davon bin, wie man aus einem bisschen Blech ein so ein schönes und toll klingendes Instrument bauen kann, wollte ich mich im Trompetenbau umsehen.

Ich schrieb also einige Betriebe an, um mich nach einem Praktikumsplatz zu erkundigen.
Aus der ersten Absage lernte ich, dass die korrekte Bezeichnung des Berufes nicht Trompetenbauer, sondern Metallblasinstrumentenbauer lautet. Ich versuchte es weiter und wurde schließlich im Münchner Umland fündig. Dort sitzt eine Firma, die hauptsächlich Tuben (Mehrzahl von Tuba) aber auch Hörner, Posaunen und Trompeten herstellt.
Direkt nach dem zweiten FSJ Seminar sollte es losgehen und das auch noch ungewohnt früh morgens, da mir täglich eine einstündige Autofahrt blühte.

Am ersten Tag meines Praktikums bekam ich zunächst eine Führung durch die Firma. Wir liefen durch verschiedene kleine Werkstätten in denen hart und laut gearbeitet wurde. Vom alten Mann, der den ganzen Tag nur Posaunenzüge poliert, bis zum Meister, der eine 30.000€ Tuba baute, war alles dabei. Nachdem mir mein Arbeitsplatz gezeigt wurde, durfte ich mit dem Feilen und Schleifen von Metall  beginnen.
Selbst bei diesen eigentlich recht stupiden Aufgaben bedarf es einer bestimmten Technik, die mich erst einmal etwas überforderte. Nach einigen Fehlversuchen hatte ich den Dreh aber raus.

Nach den ersten Tagen wurden mir immer mehr und schwierigere Arbeiten aufgetragen. So durfte ich am dritten Tag aus einer Messingplatte ein Stück herausschneiden und aus diesem einen Ring bauen.Praktikum Christoph

Zusätzlich durfte ich meine alte Posaune, die ich als heruntergekommenes Ausstellungsstück erworben hatte, komplett neu herrichten und spielbar machen. Ein paar Teile abgeschraubt, ein paar Dinge aus „Abfällen“ gebaut und schon erschien die Posaune wieder in neuem Glanz. Praktikum Christoph

Im Anschluss wurde mir die Kunst des Lötens beigebracht. Hierbei wird nicht etwa mit einem Lötkolben, sondern mit einer Flamme und einem langen Zinn- oder Silberstab gearbeitet.Praktikum Christoph

Und dann ging es ans Eingemachte!
Wieder bekam ich eine Messingplatte aus welcher ich bestimmte Maße ausschneiden sollte. Mit der ausgeschnittenen Form wurde wieder mit der schon erwähnten „Ring-technik“ gearbeitet. So entstand ein ca. 20 cm langes Messingrohr. Das durfte ich mit Blei füllen und nach dem trocknen musste ich das Rohr mithilfe einer Schablone formen.
Durch das Biegen des Rohres entstanden Unebenheiten, welche ich mithilfe eines Metallhammers wieder eben hämmern musste.

Praktikum Christoph

Am letzten Tag meines Praktikums durfte ich meine Trompete generalüberholen und mit der Industriellen Reinigung mal wieder richtig sauber machen. Die Verbesserung des Klangs war deutlich zu hören.

Während des Praktikums habe ich viel erlebt und konnte Einiges mitnhemen. So viel wie in dieser Woche habe ich, glaube ich, noch nie in so kurzer Zeit gelernt. Trotz allem musste ich mir eingestehen, dass mir der Beruf des Metallblasinstrumentenbauers letztendlich zu handwerklich und praktisch ist. Ein bisschen mehr geistige Herausforderung sollte dann doch dabei sein.Ich bedanke mich ganz herzlich bei meiner Einsatzstelle, die mich ohne große Probleme freistellen konnte, bei dem Betrieb selbst, für die Erfahrung die ich machen durfte und natürlich bei meinen Eltern, die mir ihr Auto zur Verfügung gestellt haben. Denn das verbraucht doch etwas weniger als mein 30 Jahre alter Bus.

Christoph

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