Halbe Pause

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»concertino«

Vollkommen losgelöst lässt der Musiker den Bogen über die Seiten streichen, verloren in der Musik, vergisst er alles um sich herum.  Die Aufregung, die ihm fast den Atem raubte, ist längst vergessen. Seine Konzentration gilt nur noch seiner Violine und dem Dirigenten. Er spürt die Kraft aus seinen Händen in das zerbrechliche Instrument fließen und der Ton der diesem entweicht verschmilzt mit all den anderen zu einer vollkommenen Harmonie. Die kribbelnde Gänsehaut breitet sich auf seinem Rücken aus und ein Gefühl der Glückseligkeit beginnt ihn zu erfüllen.Die Konzentration der Musiker steigt, die Töne schwellen an und bäumen sich auf. Geleitet durch den Taktstock des Dirigenten bündeln sich alle Töne zu einem einzigen lauten Klang, erreichen den Höhepunkt und verstummen schlagartig. Eine prickelnde Spannung füllt den Raum, während alle gebannt den Taktstock anblicken. Die Hand des Dirigenten senkt sich und augenblicklich weicht die Anspannung aus allen Körpern. Ein rascheln und hüsteln ist aus den Stuhlreihe zu vernehmen und während der Dirigent seine Noten umblättert, kommt der Musiker nicht umhin ein Lächeln zu unterdrücken. Sein Konzert! Gerade erst begonnen, findet er sich jetzt in der Mitte des Stückes wider. Eben konnte er vor Aufregung die erste Note fast nicht spielen und nun hält er selbstsicher sein Instrument in der Hand und kann es kaum erwarten wieder anzusetzen.
Bevor er weiter nachdenken kann, hebt sich der Taktstock erneut und augenblicklich existiert nur noch die Musik.

Auch für mich bedeutet es nun Halbzeit. Wieder einmal stelle ich fest, wie unglaublich schnell die Zeit verfliegt. Ehe ich mich versehe, bin ich auch schon ein ganzes halbes Jahr an der Musikhochschule.

Weiteren sechs Monaten blicke ich nun entgegen und versuche nun, die schon vergangene Zeit für mich zu reflektieren.
Was habe ich bis jetzt mitgenommen, was konnte ich lernen und was nicht?
Mithilfe von zwei Listen, deren Aufstellung mir gar nicht so leicht fiel, bin ich meinen Fragen auf den Grund gegangen, seht selbst!

Ich weiß jetzt…:

  1. …wie ich Konzertprogramme in unter 20 Minuten und ohne Hilfe meiner Mitschriften gestalte.
  2. …dass es neben Word auch noch sehr viele andere Computerprogramme gibt die man beherrschen sollte (und ja, das kann ich mittlerweile auch!).
  3. …wenigstens die Hälfte der Namen der Hochschuldozenten.
  4. …dass der Arbeitsalltag ganz schön anstrengend sein kann.
  5. …dass genügend Lesestoff in der U-Bahn unabdingbar ist.
  6. …dass kleine Auszeiten vom Alltag wichtig, wunderbar und erholsam sind.
  7. …was ich studieren möchte.
  8. …dass ich mir manchmal mehr Zeit lassen sollte.
  9. …dass ich noch eine Menge lernen muss.

Ich weiß noch nicht…:

  1. …ob ich es jemals schaffen werde ein Konzertprogramm fehlerfrei von der Korrektur zurück zu bekommen.
  2. …wie ich die Falzmaschine behandeln muss damit sie sich nicht weigert zu falten.
  3. …wie die andere  Hälfte der Hochschuldozenten heißt.
  4. …wie viel Zeit ich eigentlich täglich in öffentlichen Verkehrsmitteln verbringe.
  5. …ob und wo ich einen Studienplatz bekomme.
  6. …wie es sein wird, wenn meine Arbeit nicht mehr meinen Alltag bestimmt.
  7. …was mich in sechs Monaten erwarten wird.
  8. …welche Möglichkeiten sich für mich noch auftun werden.
  9. …was ich wirklich will!

Wenn ich mir die zwei Listen so anschaue, kann ich sagen, dass ich einiges dazugelernt habe und mir vor allem über ein paar wichtige Entscheidungen in meinem Leben klar geworden bin.

Trotz allem stehen einige Fragen noch genauso unbeantwortet wie vor einem halben Jahr im Raum. So bleibt die Zukunft für mich weiterhin ungewiss, ich habe aber noch ein halbes Jahr Zeit um die richtige Richtung einzuschlagen.

Ich bin also gespannt was mich erwarten wird!

Theresa

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7 Kommentare zu “Halbe Pause

  1. Ich mache gerade auch ein FSJ – ich bin dauernd hinter der Theater-/Opernbühne unterwegs 🙂 – deswegen interessiert mich, was du dir als Studienfach ausgesucht hast. Ich bin noch auf der Suche bei diesem Thema, und auch wenn K.Peter sicher recht hat, versucht man ja doch, beim ersten Mal richtig zu liegen.
    Und, was wird es bei dir wunschweise 🙂 ?
    viele Grüße nach München

    • Hallo Marlene,
      die Befürchtung eine falsche Entscheidung zu treffen kenne ich nur zu gut! Wenn ich mir etwas vornehme, will ich es durchzeiehn und mir unter keinen Umständen eingestehen, die falsche Wahl getroffen zu haben ;)!
      Ich habe lange zwischen drei Studiengängen geschwankt: Klassischer Gesang, Theaterwissenschaften oder Journalismus.
      Letztendlich, und da bin ich mir nun sehr sicher, wird es höchstwahrscheinlich Journalismus werden.
      So ganz sicher kann ich das aber erst behaupten, wenn ich alles auf dem Papier stehen habe, ich hoffe aber es klappt!
      Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg bei der Suche deines Studienfachs, in welche Richtung soll es denn bei Dir gehen?
      Liebe Grüße,
      Theresa

      • Hallo Theresa,
        ich bin auf jeden Fall auch eher derjenige, der Künstler und Theater beobachtet und nicht selbst auf der Bühne steht.
        Momentan sind noch viele Optionen offen, vermutlich werde ich aber sehr klassische Fächer studieren: Germanistik steht so gut wie fest, ansonsten vermutlich Kunstgeschichte. Da ich dieses Jahr die Oper für mich entdeckt habe, könnte es aber auch Musikwissenschaft werden…
        Journalismus finde ich auch interessant, behalte es aber eher als Beruf- denn als Studiummöglichkiet im Kopf.
        Mal sehen,
        viele Grüße,
        Marlene

      • Hallo Marlene,
        ich finde das klingt sehr spannend und gut durchdacht! Grundsätzlich stehe ich lieber selber auf der Bühne, singen und schauspielen ist meine kleine Leidenschaft.
        Als Hauptstudium möchte ich jedoch ein bisschen „tiefer“ gehen und mich eben auch mit dem Beobachten beschäftigen, wie du schon sagst :)!
        Fächer wie Kunst-, Musikgeschichte, Germanistik und Journalismus kann man wunderbar kombinieren und aufeinander aufbauen, denke ich!
        Oft tritt man später in ein Berufsfeld, welches mit dem eigentlich Studium nicht viel gemein hat. Deswegen bleibt es wohl auch während des Studiums spannend!
        Viele Grüße,
        Theresa

      • Mit deinem letzten Satz hast du auf jeden Fall recht – und das finde ich momentan auch eher spannend denn beunruhigend 🙂

  2. bzgl. ich weiß noch nicht punkt 9 schadet gelassenheit nciht . oft weiß man ja immer hinterher ob das gewesene eine annäherung an das „was ich wirklich will“ war. und oft sind es die ganz kleinen entscheidungen, die man trifft weil man sie wirklich will (von nutellabrot zum frühstück über konzertbesuche, kontakte, bücher lesen oder nciht weiter lesen und und und)und so kommt man auch vorwärts.
    wenn man denkt das man was zumindest ein bisschen will und dann macht und dann feststellt dass man es eigentlcih doch kein bisschen will, dann macht man was anderes. we are not fixed on a track, es sei denn man glaubt an vorherbestimmung, aber auch die kennt man ja nicht , da kann man ja dann eh alles machen 🙂
    liebe Grüße!

    • Also das nenne ich mal eine wirklich weise und kluge Aussage, die ich mir merken werde! Mit dieser Einstellung kann man sich das Leben um einiges enstpannter und einfacher gestalten, Danke 🙂

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